| |
 Heiri Haefliger, Nuance, 2005, Toilettenpapier, Kleister, Kordel, 30 x 35 x 7 cm.
Det. | | |
HEIRI HAEFLIGER „Der Reiz der Oberfläche“
Eröffnung: Dienstag, 7. Juni 2005, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 8.Juni bis 23. Juli 2005-05-25
2002 ließ Heiri Haefliger in Südfrankreich 379 Erdbeertörtchen von hungrigen Ausstellungsbesuchern aufessen („je t’aime“, MAC, Marseille), übrig blieb eine doppelstöckige Etagère mit dem Video „Puppentanz“. Im Jahr 2000 filzte er mit dem 90 Grad Programm einer Waschmaschine knallrote Objekte aus Schafwolle („Gefilzt“, Innsbruck). Zur Beobachtung des zweistündigen Modelliervorgangs, bzw. um das Ergebnis zu erwarten, stand eine gemütliche Sitzgelegenheit zur Verfügung.
Auch bei anderen Gelegenheiten stellte der junge Schweizer seine soziale Kompetenz unter Beweis, indem er, z.B. 1999 in einer Wiener Galerie 75 Paar Schlapfen („ein Wienerisches Wort für „Fengke“1H.H.) – aus Papiermaché und in den Größen 38 bis 45 – für die Besucher im Empfangsbereich bereitstellt, damit sie ihre Straßenschuhe gegen diese „Kunstschuhe“ für die Dauer des Ausstellungsbesuchs tauschen können, um so den Kunstraum besser „durchschlapfen“ zu können: „Es soll geschlapft werden“. Genau dieses war bei einer weiteren „Schlapfeninstallation“ unmöglich: Für den „cultural sidewalk“ (2000) der Wiener Gumpendorferstraße fixierte der Künstler an einem Zebrastreifen verführerisch ein Paar wunderschöne Pantoffeln – aus Aluminium – mit denen man nicht und nicht vom Fleck kam! Subversive Aktivitäten, seien es die verwendeten Materialien betreffend oder die Betrachter verblüffend, gehören zu den Vorlieben Haefligers. Seit einiger Zeit interessiert er sich heftig für die bisher nur geahnten Möglichkeiten von Klopapier und lotet Leichtigkeit, Festigkeit und Poesie dieses fundamentalistischen Zivilisations-Materials aus. In seinen neuesten Objekten, die in der ersten Einzelausstellung des Künstlers im MAM roomnumberOne zu sehen sein werden, tasten dünnere und dickere Klopapiermachéschlangen taktil die von ihnen bezeichneten Flächen ab.
Eine acht Meter lange Wandarbeit aus weißem Toilettenpapier bildet das Hauptstück der Präsentation. Diese schwebt als zartes Gitter vor dem Hintergrund der weißen Fläche und provoziert somit die Suche nach Prozessen der Symbolisierung und Signifikation, die das Kreuzworträtsel des Dahinter und Darunter (eventuell) zu entschlüsseln vermögen.
Oberflächen richten den Blick aber auch zur Erfassung der Objektspezifik auf das Darauf.
Dieselbe acht Meter lange Oberfläche findet sich als „Nuance“ wieder, diesmal gerollt und
durch eine Kordel zur Räumlichkeit gebunden. Beide Modelle fokussieren auf ihre Art und Weise Potentiale der Wahrnehmbarkeit, die den Betrachter positionieren, sensorisch zur Imagination anregen und dechiffrierend interaktiv werden lassen. |