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 Jules de Bruycker, Detail aus 'Weer klepte de Dood over't Vlaanderenland', 1916, 78 x 65,5 cm, Strichätzung und Aquatinta | | |
Die Galerie Parrotta Contemporary Art Stuttgart eröffnet die neue Ausstellungssaison nach der Sommerpause mit den Einzelausstellungen zweier Künstler, deren eigenwillige Dynamik im Mal- und Zeichenstil verwandt zu sein scheint, obwohl die Wirkungszeit des älteren um mehr als 100 Jahre zurückliegt.
Mit der Ausstellung zu Jules de Bruycker (1870 - 1945) wird dessen herausragendes graphische Werk zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in Deutschland gewürdigt.
Galeriewochenende Art Alarm:
Samstag, 19. September 2009, 11.00 bis 20.00 Uhr
Sonntag, 20. September 2009, 11.00 bis 18.00 Uhr
Kurztext:
Jules de Bruycker »Zeichnungen und Radierungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs«
Der in Gent geborene Künstler Jules de Bruycker (1870-1945), gehört zu den bemerkenswertesten graphischen Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Belgien. Nach seinem Studium an der Genter Akademie der Künste, unter anderem bei dem Maler Jean Joseph Delvin, beginnt er sich kurz nach der Jahrhundertwende intensiv mit der Radiertechnik zu beschäftigen. Er bringt es darin zu einer ausgewiesenen Meisterschaft, mittels derer er die vielfältigen Methoden von Kaltnadel bis hin zu Aquatinta ausschöpft. Zeichnung und Druckgrafik bleiben bis zu seinem Tod im Jahr 1945 sein bevorzugtes Medium. Seine monumentale, malerisch komponierte Bildgestaltung wechselt von einem bewegten Horror Vacui über sich auflösende Formen bis hin zur bewusst eingesetzten leeren Fläche. Ungewöhnlich für seine Zeit ist die Benutzung sehr großer, bis zu ca. 100 x 70 cm messender Radierplatten.
De Bruycker ist ein sensibler, scharfer Beobachter und bringt mit spitzer Feder bis ins Karikatureske reichende Charakter- und Sozialstudien zu Papier. Im Zentrum der Ausstellung stehen seine Kriegsallegorien. Diese in London aus der Ferne entstandene Radierfolge zeigt aus der Perspektive des Beobachters die Kriegsgräuel und Ruinenlandschaften in expressiver Direktheit und zugleich alptraumhaften, apokalyptischen Visionen. In der Radierung »Abermals läutete der Tod die Glocke über Flandern« (1916) taucht der Sensenmann gleich einem modernen Totentanz aus dem Dunkel auf, fegt über Leichenberge hinweg und läutet abwechselnd mit dem Teufel die Kirchenglocken.
Obwohl das Werk Jules de Bruyckers in zahlreichen Museen und privaten Sammlungen verwahrt wird, ist er noch immer für viele Kenner der Druckgraphik eine Entdeckung. Eingebunden in das »Jahr der Graphik 2009« wird mit dieser Ausstellung ein wichtiger Teil seines Œuvres erstmals in Deutschland vorgestellt. |