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Einzelausstellung: Marianne Halter - Wilde Versammlung (vorbei)

19 Januar 2013 bis 23 Februar 2013
  Marianne Halter - Wilde Versammlung
Marianne Halter, Fotografie aus der Reihe ‘Grenzland’, work in progress
 
  CHRISTINGER DE MAYO

CHRISTINGER DE MAYO
Ankerstrasse 24
CH-8004 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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www.christingerdemayo.com


Dämmrung will die Flügel spreiten,! Schaurig rühren sich die Bäume,! Wolken ziehn wie schwere Träume - !Was will dieses Graun bedeuten?

Joseph von Eichendorff

Das Zwielicht ist seit dem romantischen Gedicht mit dem gleichnamigen Titel von Joseph von Eichendorff mit der Abenddämmerung verknüpft, wenn sich die Lichtverhältnisse verschieben und die Schatten länger werden. Zumeist wird das Zwielicht als etwas Unheimliches wahrgenommen und als Adjektiv auf Menschen übertragen wird es definitiv verdächtig.

Marianne Halter (*1970) setzt sich in ihrer Installation "Trophäen" auf sehr subtile Weise mit dem Zwielichtigen auseinander. Die in Vitrinen präsentierten Fotos zeigen Grenzorte, Zwischenorte und Unorte, die von der Künstlerin vermeintlich erobert (fotografiert) wurden und nun als Trophäen zur Schau gestellt werden.

Der Begriff Trophäe leitet sich vom griechischen Tropaion ab, dem Siegeszeichen der griechischen Generäle, das diese auf dem Schlachtfeld postieren ließen. Das Phänomen ist allerdings interkulturell; von den Schrumpfköpfen der Shuar bis zum Hirschgeweih an der Wand der Behausung eines bayrischen Jägers symbolisiert eine Trophäe Sieg und Macht.

Marianne Halter ironisiert aber nicht nur ein interkulturelles kunsthistorisches Paradigma sondern hinterfragt auch die Fotografie und die eigene Kunstproduktion. Der humorvolle und sanft skeptische Blick verdeutlicht sich bei einer zweiten Arbeit der Ausstellung. Die "Wilde Versammlung" sind Objektarbeiten, bei denen die Künstlerin die Samen der Pinienbäume auf Elba zu Bildern zusammenfügt, die wir automatisch als zwischenmenschliche Beziehungsgefüge lesen.

Die Entlarvung der menschlichen Wahrnehmung als inhärent narzisstisch, wird durch die Zeichnung der Samen konterkariert, die als Totenkopf gelesen werden kann. Die figuralen Beziehungen die durch das Zusammenfügen suggeriert werden, lassen uns beim zweiten Blick plötzlich leicht erschaudern, weil in uns eine Ahnung aufsteigt, dass Joseph von Eichendorff mit seiner Sicht auf die Welt vielleicht nicht ganz unrecht hatte.

Marianne Halters Ausstellung erweitert aber die Ideenwelt Eichendorffs um einen wesentlichen Aspekt: das Zwielicht macht die Dinge nicht einfach grau oder unheimlich, im Zwielicht werden sie manchmal eben auch klarer, fass- und erkennbarer. Diesem vermeintlichen Widerspruch begegnet ihre Kunst mit einem feinen Lächeln.

Marianne Halter:
Geboren 1970 in Zürich, 1991-1997 Schule für Gestaltung Luzern, Aufenthalte in New York, Paris, Chicago und Johannesburg. Verschieden Einzel- und Gruppenausstellungen, u.a. Blankprojects Cape Town, KZNSA Durban, Landpartie Zürich, Message Salon Zürich, Kunstmuseum Luzern, Kunsthalle Luzern, Vögele Kulturzentrum, Trudelhaus Baden.

Vernissage: Freitag 18. Januar, 18 – 20 Uhr
Die Künstlerin ist am Vernissageabend anwesend.

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