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Einzelausstellung: Martin Walde - The Liquid and the Magic (vorbei)

17 September 2010 bis 17 Oktober 2010
  Martin Walde
Martin Walde
Untitled
 
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»Der Duft der verblühenden Alpenrose« verströmte schon in vielen Ausstellungen Waldes. Das rötliche Parfum, eine chemische Nachbildung des Dufts der Blume zu einem bestimmten Zeitpunkt, wurde schon in einer Flasche zwischen hundert mit gefärbtem Wasser gefüllten Flaschen zur Suche freigegeben, als PET-Flasche ohne weitere Informationen im Ausstellungsraum positioniert, in der U-Bahn hinterlassen oder mit dem Schraubverschluss in einer Decke eingegipst. Nun taucht die Arbeit in der Ausstellung »The Liquid and the Magic« wieder auf, wieder in neuer Form: als Inhalt einiger chemischer Gefäße, die Walde deformiert hat. Die verschiedenen Kolben sind nicht nur verzogen, sondern auch verschlossen, und die Flüssigkeit in ihnen kann nicht mehr entweichen. Der Duft ist eingesperrt, er findet jetzt im Kopf des Betrachters statt, wie auch den Skalen auf den Kolben keine gesicherten Mengen mehr entnommen werden können. So subjektiv die Maßeinheit des Duftes ist, so sichtbar wird die Relativität des Messens.

Statistische Unschärfe führt Walde uns beim Motiv der Einladungskarte vor. Aus einer Kaffeetasse rinnt der Inhalt durch ein Loch aus, das so nicht beabsichtigt war. Das passierte Walde durch unsachgemäße Behandlung zweimal, und diese Unwahrscheinlichkeit des Zufalls, die in Form von Kaffee aus der Tasse rinnt, ist das Magische, das der Künstler uns in der Ausstellung vorführt.

Aggregatszustandswechsel sind der Dreh- und Angelpunkt einer weiteren Arbeit. Dafür hat Martin Walde das Material Silikon verwendet, ein Material das, einmal erstarrt, wenn man es deformiert wieder in seine Ursprungsform zurückkehrt. Durch Materialzugaben, Temperatur und Luftfeuchtigkeit wurde das Silikon dahingehend weiterentwickelt, dass es sich nicht mehr so schnell verfestigt, bzw. eine erhöhte Formbarkeit aufweist. In Versuchsanordnungen wurden verschieden veränderte Parameter ausgetestet, indem das Material auf Glasplatten geschüttet wurde. In weiterer Folge wurden die Glasplatten gewendet und die Substanzen der Schwerkraft preis gegeben. Es entstanden Gebilde, die an Stalaktiten erinnern, aber auch an Quallen-ähnliche Objekte. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist eine fiktive, abstrakte Form im Kopf des Künstlers, das Werkzeug dazu ein kontrollierter Materialunfall. Das so pervertierte, nun alltagsuntaugliche Silikon führt zu neuen Formen, die vom Künstler wiederum als eine Variation von Präsentationsmöglichkeiten vorgeschlagen werden.

In den »Concoctions / Blurrping«-Videos sieht man gallertartige Gele in verschiedenen Farben, die vor sich hin blubbern. Je nach Konsistenz der Kunststoffmassen entstehen unterschiedliche Blasen und Töne die fremdartig, unnatürlich klingen. Die sich kontinuierlich aufbauenden Blasen und schlammigen Massen sind in ständiger Neuordnung begriffen, während sie unsere Idee von Natur infrage stellen.

In Transformation befindet sich auch »Tales of P. P.«, eine Arbeit die aus rosaroten Silikonklumpen mit Löchern und Karbonstäben besteht. Der Titel bezieht sich auf den Pink Panther, einen Prototyp einer Zeichentrickfigur. Genauso wandelbar wie die Figuren in Animationen ist die Idee der einzelnen Module in der Arbeit: sie sind alle unterschiedlich, imitieren eher die Natur in ihrer Varianz als sie tatsächlich konstruktiv nutzbar wären. Ihre Erscheinungsform wechselt mit jeder Ausstellung die Gestalt, genauso wie sie in ihrer Funktion zwischen partizipatorischem Objekt und Gebrauchsvorschlag changiert.

Eine von der Decke baumelnde Schere lädt zum abschneiden und wieder verknoten der Schnur an der sie hängt ein, und macht aus Formwerdung ein gemeinschaftliches Moment, während bei »Forever sticky, forever wet« der Vorgang des Objekt-Inspizierens immer neue subjektive Erlebnisse produziert: Erscheinungsformen, Zustände, Situationen und Sinnhaftigkeiten von einzelnen Arbeiten verändern sich also stetig bei Walde. Neues wird in Ausstellungen ausprobiert, nicht im Atelier. Durch provozierte Unschärfen ergeben sich neue Aspekte, Wandelbarkeit wird in Arbeiten mitgedacht und weiterentwickelt. Form ist bei ihm einer ständigen Veränderung unterworfen, man kann sich kein absolutes Bild seiner Arbeiten machen. Themen können so nicht mehr auf eine Perspektive reduziert werden, oder wie Walde es formuliert: »Konsequenz wird von mir umkreist.« Walde erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit, er stellt menschliche Normen und deren Definitionen von Funktionalität der Natur und Kunst gegenüber. Und alles fließt.

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