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Einzelausstellung: Matti Braun - V.S. (vorbei)

12 September 2003 bis 31 Oktober 2003
  Matti Braun - V.S.
Matti Braun
 
  Esther Schipper

Esther Schipper
Schöneberger Ufer 65
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)30 37 44 33 133
www.estherschipper.com


Die Ausstellung "V.S." ist der dritte und letzte Teil einer Trilogie, welche zuvor mit anderen Schwerpunkten in London ("R.T.") und Freiburg ("S.R.") gezeigt wurde.

Die drei Figuren Satyajit Ray, Filmregisseur, Vikram Sarabhai, Forscher, und Rabindranath Tagore, Schriftsteller, sind Protagonisten eines von Braun ins Visier gefaßten kleinen Epos, eines Szenarios von utopisch angelegten Ideen, Gedankenaustausches um die Motive des Fremden, der Gestaltung der Zukunft, um genuine kulturpolitische Themen. Vikram Sarabhai, der Namensgeber dieser Ausstellung, darf als der Vater des indischen Raketenprogramms und der Satellitentechnologie, als kultivierter radikaler Moderner mit Kontakt zu Corbusier, John Cage und später John Baldessari gelten, allerdings mit ziviler Absicht gesehen werden und ist gleichzeitig der technokulturelle Spiritus Mentor des genuinen E.T.-Erfinders Ray (welcher der Ausstellung im Freiburger Kunstverein den Namen gab).

Hintergrund der drei genannten Einzelausstellungen ist die Beschäftigung mit einem nie vollendeten Science Fiction des indischen Filmregisseurs Satyajit Ray, "THE ALIEN". Auf verschlungenen Wegen entstand dann 30 Jahre später der weltbekannte Film "E.T." von Steven Spielberg, der auf populistische Weise das Phänomen des Fremden kommerziell überaus erfolgreich verarbeitete.

Im Drehbuch stellt ein See den Ort der Ankunft des Aliens auf der Erde dar. Dessen Rakete stürzt in den See und es bleibt nur noch eine goldene Spitze zu sehen.

Es handelt sich um eine Kette ideeller Wertschöpfung, in deren thematisch-konzeptuellen Zentrum der von Ray selbst nie realisierte Film "THE ALIEN" steht. Das key visual des Drehbuches bindet sozusagen die vielfältigen Bezüge dieses selektiven kulturhistorischen Setups, welches Braun über Monate fasziniert verfolgt hat. Der See darf als Spiegelbild, Wandelhalle und Projektionsfläche gesehen und begangen werden.

Die Ausstellungsfläche ist ein schwarzer spiegelnder See mit einer Anordnung von Scheiben einer ursprünglich nicht heimischen Baumart, die verschiedene Musterwege ermöglichen. In Berlin handelt es sich um eine Ahornart, die, ursprünglich aus Nordamerika stammend, zur Aufforstung des Berliner Tiergartens verwandt wurde und sich in der Folge dieses Imports nunmehr hier angesiedelt hat und heimisch geworden ist.

Die meisten der Installationen und Objekte von Matti Braun sind hochabstrahierte Visuals, in dem Fall etwa abstrakte Realisierungen von Drehbuchbildern mit Schlüsselreizcharakter. Wie auch zu dieser Ausstellung gehört meist ein thematisches Poster wie ein Filmplakat mit programmatischem Charakter zur Ausstellung.

Im hinteren Raum sind Arbeiten zu sehen, deren Zugehörigkeit zur eigentlichen Ausstellung bewußt offen gehalten wird, deren konzeptionelle Verwandtschaft aber wichtig ist. Herauszuheben sind die Stoffdrucke, sogenannte Patolas. Diese sind wie viele

Objekte und Verfahrensweisen, die Matti Braun besonders interessieren, als gewissermaßen der Inbegriff von alter indischer Stoffproduktion mit rituellem Charakter behaftet und symbolischem Mehrwert aufgeladen. Gleichzeitig wurden gerade die Patola-Stoffe besonders gern und oft kopiert, auch mit neuartigen, mediokren Produktionsmöglichkeiten, um die überaus aufwendige und logistisch anspruchsvolle Herstellungsform, nach der jeder einzelne Faden koloriert wurde, zu umgehen.

Die Tradition des Kopierens und Aneignens treibt Matti Braun auf die Spitze durch das Nachkolorieren selbst entworfener Siebdrucke, ein Transfer, der als einer seiner Kerninteressen gelten darf.

Auf die derzeitig parallel zur Ausstellung stattfindende Satyajit Ray-Retrospektive im KINO ARSENAL, BERLIN, möchten wir ausdrücklich hinweisen.

Aus aktuellem Anlass weisen wir darauf hin, dass die Begehung der Ausstellung auf eigene Gefahr erfolgt.

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