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Einzelausstellung: Xuan Huy Nguyen (vorbei)

1 Dezember 2011 bis 12 Februar 2012
  Xuan Huy Nguyen
Xuan Huy Nguyen: Building Sites, Oil on Canvas, 271x534
 
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8037 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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1. Ausstellung in der Schweiz

Der 1976 in Hanoi geborene vietnamesische Künstler Nguyen Xuan Huy kam 1994 nach Deutschland, um sein zwei Jahre zuvor begonnenes Architekturstudium fortzusetzen. Seine Mutter lebt hier bereits seit Mitte der 1980er Jahre - wie viele ihrer Landsleute auf Einladung des „sozialistischen Bruderlandes" DDR. Wegen eines Visum- Problems verstrickte sich Nguyen jedoch mehrere Monate in den Wirren der deutschen Bürokratie. Die freie Zeit nutzte er zum Zeichnen und Malen, und dann kam er von der Kunst nicht mehr los. 1996 nahm er sein Studium der Malerei an der Burg Giebichenstein in Halle auf. Unter der Anleitung von Prof. Ute Pleuger schoss er dort seine Ausbildung 2006 im Rahmen des so genannten Aufbaustudienganges (Meisterschüler) ab.

Nguyen hat verschiedene Auszeichnungen für sein noch junges Werk erhalten, das sich schwellenlos auf seine vietnamesische Herkunft zurückführen lässt . Sein seit mehreren Jahren ver folgtes Hauptthema sind körperliche und genetische Missbildungen, die als Spätfolgen des Vietnamkrieges das kollektive Bewusstsein von Nguyens Heimatland beherrschen.

Amerikanischen Streitkräften haben das großflächige Versprühen des Entlaubungsmittels Agent Orange vor allem Ende der 1960er Jahre als Waffe im Dschungelkampf eingesetzt . Das darin enthaltene Dioxin führte zu irreversiblen gesundheitlichen Problemen bei der Bevölkerung der ehemaligen Einsatzgebiete. Noch drei Generationen nach dem Einsatz von Agent Orange kommen dort Neugeborene mit schwersten Missbildungen zur Welt aufgrund toxischer Schädigungen des elterlichen Erbguts. Auch eine erhöhte Krebsrate zählt zu den „Kollateralschäden" der amerikanischen Kriegstaktik im Vietnamkrieg, die vor allem die Zivil bevölkerung in Mitleidenschaf t gezogen hat . Die US-Regierung und das Militär leugnen bis heute einen kausalen Zusammenhang zwischen Agent Orange und diesen Krankheiten und haben auch keine Entschädigung an die vietnamesischen Opfer entrichtet - im Gegensatz zu nicht unerheblichen Zahlungen an Betroffene der eigenen Streitkräfte.

Nguyen hat sich dieser virulenten Problematik aus der Perspektive der vietnamesischen Nachkriegsgeneration angenommen. Als expatrierter Sohn eines dekorierten Kriegsveteranen ist seine Haltung zwar von der Empathie für die Opfer getragen, aber ohne dabei in eine ideologische Wertung zu verfallen. Er selber sagt dazu: "Der Kampfstoff und seine Fol - gen sind nur ein Ausgangspunkt auf der Suche nach einer Signatur existenzieller Optionen und eine Spur der Verwerfung, der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins des Menschen, welche die Mechanismen der Fremdbestimmung darin einschreiben."

Nahm Nguyen anfangs noch Dokumentar fotos realer Schicksale als Vorlage - zu denen auch das unrühmliche „Massaker von My Lai " (1968) zählt - geht er seit 2007 einen anderen Weg. Auf der Basis digitaler Manipulationen von gefundenem oder inszeniertem Bildmaterial schafft er eine vermeintlich heile Welt körperlicher Missbildungen, deren formale Kriterien sich sowohl an kommunistische Propagandakunst als auch an kapitalistische Produktwerbung anlehnen. Die ausschließlich weiblichen Körper, die von betont „unnatürlichen" Verwachsungen gezeichnet sind, dienen einem libidinösen Verführungsmechanismus, der den schönen Schein als Lockmittel für merkantile oder ideologische Botschaften einsetzt . Die körperlichen Missbildungen sind für ihn Symbole seelischer Missbildungen.

Es geht Nguyen um das Bloßlegen sowohl staatlicher als auch kommerzieller Indoktrination, die „den menschlichen Geist wie Knetmasse behandelt , die man beliebig, willkürlich und nicht selten rücksichtslos mit Gewalt für gewisse Zwecke formt ."

Nguyens Bildwelt ist das Produkt einer intensiven Auseinandersetzung mit der (westlichen) Kunstgeschichte. Zum Teil bekennt er sich ganz offen zu bestimmten Vorbildern, wie etwa die motivischen Verbindungen zu Hieronymus Bosch, Francisco de Goya oder Albrecht Dürer. Auf formaler Ebene sind deutliche Anklänge an Michelangelo und dem europäischen Manierismus des 16. Jahrhunderts zu erkennen. Regelrecht abgearbeitet hat sich Nguyen indes an Francis Bacon. Eine Vielzahl seiner während des Studiums entstandenen Arbeiten beschäftige sich mit der existentiellen Ortlosigkeit der Figuren, wie sie in Bacons verstörender Malerei zu erleben ist . Bacons herber malerischer Umgang mit dem menschlichen Gesicht in Form fleischiger Versehrungen findet sein spätes Echo in den realen und fiktiven Verkrüppelungen der Figuren von

Nguyen Xuan Huy. Es ist eine unter die Haut gehende Malerei , die jegliche Heilsversprechungen einer vermeintlich Schönen Neuen Welt auf die Abgründe der Realität zurückwirft.

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